Glücksspielsucht in der Schweiz: Eine kritische Betrachtung für erfahrene Spieler

Glücksspielsucht in der Schweiz: Eine kritische Betrachtung für erfahrene Spieler

Einleitung: Die Schattenseite des Spiels erkennen

Für viele regelmässige Glücksspieler in der Schweiz ist das Spiel eine Form der Unterhaltung, ein spannender Zeitvertreib oder sogar eine intellektuelle Herausforderung. Doch hinter der glitzernden Fassade der Casinos und der verlockenden Welt der Online-Wetten verbirgt sich eine ernstzunehmende Gefahr: die Glücksspielsucht. Dieses Phänomen, auch als pathologisches Glücksspiel bekannt, kann weitreichende und verheerende Folgen für Einzelpersonen, Familien und die Gesellschaft haben. Gerade für erfahrene Spieler, die sich oft als immun gegen solche Risiken wähnen, ist es von entscheidender Bedeutung, die Mechanismen und Warnsignale der Sucht zu verstehen. Die Schweiz, mit ihrer liberalen Gesetzgebung bezüglich Glücksspiel, bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Teilnahme, von traditionellen Spielbanken bis hin zu Online-Plattformen. Eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema ist daher unerlässlich, um präventiv handeln und im Bedarfsfall Unterstützung finden zu können. Informationen und Ressourcen zur Prävention sind beispielsweise auf der Website mymuerren.ch verfügbar, die sich mit verschiedenen Aspekten der Suchtprävention auseinandersetzt.

Die Natur der Glücksspielsucht: Mehr als nur ein Laster

Glücksspielsucht ist eine anerkannte Verhaltenssucht, die im Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM-5) als “Glücksspielstörung” klassifiziert wird. Sie zeichnet sich durch ein anhaltendes und wiederkehrendes problematisches Spielverhalten aus, das zu erheblichen Beeinträchtigungen oder Leiden führt. Im Gegensatz zu Substanzabhängigkeiten gibt es bei der Glücksspielsucht keine physische Abhängigkeit von einer Substanz, sondern eine psychische Abhängigkeit von der Spielhandlung selbst und den damit verbundenen neurobiologischen Prozessen im Gehirn.

Merkmale und Symptome

Die Symptome der Glücksspielsucht können subtil beginnen und sich schleichend entwickeln. Zu den häufigsten Merkmalen gehören:

  • Zunehmender Geldbedarf: Das Bedürfnis, mit immer höheren Einsätzen zu spielen, um die gewünschte Erregung zu erreichen.
  • Entzugserscheinungen: Unruhe oder Reizbarkeit bei dem Versuch, das Spielen einzuschränken oder aufzugeben.
  • Wiederholte erfolglose Versuche: Das Scheitern bei wiederholten Anstrengungen, das Spielen zu kontrollieren, zu reduzieren oder ganz aufzugeben.
  • Gedankliche Beschäftigung: Ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Glücksspiel, einschliesslich der Planung zukünftiger Spielaktivitäten oder des Nachdenkens über vergangene Erfahrungen.
  • Flucht vor Problemen: Spielen als Bewältigungsmechanismus für Stress, Angst, Depression oder andere unangenehme Gefühle.
  • Verheimlichung und Lügen: Das Verbergen des Ausmasses des Spielens vor Familienmitgliedern, Therapeuten oder anderen Personen.
  • Gefährdung von Beziehungen und Karriere: Die Gefährdung oder der Verlust wichtiger Beziehungen, des Arbeitsplatzes oder der Ausbildung aufgrund des Glücksspiels.
  • Finanzielle Schwierigkeiten: Das Verlassen auf andere, um finanzielle Notlagen zu lindern, die durch das Spielen entstanden sind.

Risikofaktoren für erfahrene Spieler

Erfahrene Spieler könnten sich aufgrund ihrer vermeintlichen Kontrolle oder ihres Wissens über die Spiele in Sicherheit wiegen. Doch gerade diese Faktoren können zu einer erhöhten Anfälligkeit führen:

  • Überschätzung der eigenen Fähigkeiten: Die Annahme, durch Strategie oder Erfahrung die Gewinnchancen beeinflussen zu können, wo reiner Zufall regiert.
  • Toleranzentwicklung: Das Bedürfnis nach immer höheren Einsätzen oder riskanteren Spielen, um den Kick zu spüren.
  • Verlustjagd: Der Versuch, Verluste durch weiteres Spielen wieder hereinzuholen, was oft zu noch grösseren Verlusten führt.
  • Einsamkeit und Isolation: Das Glücksspiel als Ersatz für soziale Kontakte oder als Flucht vor persönlichen Problemen.
  • Kognitive Verzerrungen: Irrationale Denkmuster wie der “Spielerfehlschluss” (die Annahme, dass nach einer Serie von Verlusten ein Gewinn wahrscheinlicher wird).

Die Situation in der Schweiz: Gesetzgebung und Prävention

Die Schweiz hat mit dem neuen Geldspielgesetz (BGS) von 2019 eine moderne und umfassende Regulierung des Glücksspielmarktes eingeführt. Dieses Gesetz zielt darauf ab, die Bevölkerung vor den Gefahren des übermässigen Glücksspiels zu schützen und gleichzeitig einen sicheren und kontrollierten Zugang zu Spielangeboten zu gewährleisten.

Regulierung und Spielerschutzmassnahmen

Das BGS sieht verschiedene Massnahmen zum Spielerschutz vor:

  • Sperrsystem: Spieler können sich selbst vom Spiel ausschliessen lassen oder von den Anbietern gesperrt werden, wenn Anzeichen für problematisches Spielverhalten erkennbar sind. Diese Sperren gelten für alle konzessionierten Spielbanken und Online-Spielangebote in der Schweiz.
  • Identifikation und Registrierung: Online-Anbieter müssen die Identität ihrer Spieler überprüfen, um Minderjährige und gesperrte Personen vom Spiel auszuschliessen.
  • Information und Sensibilisierung: Spielbanken und Online-Plattformen sind verpflichtet, über die Risiken des Glücksspiels zu informieren und auf Hilfsangebote hinzuweisen.
  • Verantwortung der Anbieter: Die Konzessionsgeber sind angehalten, Massnahmen zur Früherkennung und Intervention bei problematischem Spielverhalten zu implementieren.

Herausforderungen und Lücken

Trotz der fortschrittlichen Gesetzgebung gibt es weiterhin Herausforderungen:

  • Illegale Angebote: Trotz Sperren und Regulierungen existieren weiterhin illegale Online-Angebote, die sich der Kontrolle entziehen und keine Spielerschutzmassnahmen bieten.
  • Verdeckte Sucht: Viele Spieler versuchen, ihre Sucht zu verbergen, was die Früherkennung erschwert.
  • Zugänglichkeit: Die hohe Verfügbarkeit von Online-Glücksspielen macht es für Betroffene schwieriger, dem Impuls zu widerstehen.

Prävention und Hilfe: Wege aus der Sucht

Für regelmässige Spieler ist es entscheidend, die eigenen Spielgewohnheiten kritisch zu hinterfragen und bei ersten Anzeichen von Kontrollverlust oder negativen Auswirkungen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Selbstreflexion und Frühwarnzeichen

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Verliere ich die Kontrolle über die Zeit oder das Geld, das ich für das Spielen aufwende?
  • Versuche ich, Verluste durch weiteres Spielen wieder hereinzuholen?
  • Verheimliche ich mein Spielverhalten vor meiner Familie oder Freunden?
  • Beeinträchtigt das Spielen meine Arbeit, meine Beziehungen oder meine Finanzen?
  • Fühle ich mich unruhig oder gereizt, wenn ich nicht spielen kann?

Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit “Ja” beantworten, könnte dies ein Hinweis auf ein problematisches Spielverhalten sein.

Professionelle Hilfe und Unterstützung

In der Schweiz gibt es zahlreiche Anlaufstellen für Menschen mit Glücksspielsucht und deren Angehörige:

  • Fachstellen für Suchtfragen: Diese bieten Beratung, Therapie und Unterstützung an.
  • Selbsthilfegruppen: Gruppen wie die Anonymen Spieler (Gamblers Anonymous) bieten einen geschützten Raum für den Austausch und die gegenseitige Unterstützung.
  • Online-Beratungsangebote: Viele Organisationen bieten auch anonyme Online-Beratung an.
  • Ärzte und Psychotherapeuten: Sie können eine Diagnose stellen und geeignete Therapieformen empfehlen.

Es ist wichtig zu betonen, dass Glücksspielsucht eine behandelbare Krankheit ist. Der erste Schritt zur Genesung ist die Anerkennung des Problems und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen.

Fazit: Verantwortungsvolles Spielen als Schlüssel

Glücksspiel kann eine unterhaltsame Aktivität sein, birgt jedoch erhebliche Risiken, insbesondere für regelmässige Spieler. Die Glücksspielsucht ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die weitreichende Folgen haben kann. Für erfahrene Spieler in der Schweiz ist es unerlässlich, sich der potenziellen Gefahren bewusst zu sein, die eigenen Spielgewohnheiten kritisch zu hinterfragen und bei Bedarf frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Schweizer Gesetzgebung bietet zwar einen Rahmen für den Spielerschutz, doch die Eigenverantwortung jedes Einzelnen bleibt entscheidend. Indem wir uns über die Risiken informieren, auf Frühwarnzeichen achten und bei Bedarf Unterstützung suchen, können wir dazu beitragen, die Schattenseiten des Glücksspiels zu minimieren und ein verantwortungsvolles Spielverhalten zu fördern. Denken Sie daran: Das Spiel sollte immer ein Vergnügen bleiben und niemals zu einer Belastung werden.